Kategorie:Erlebnispädagogik

Aus Kitewiki
Wechseln zu: Navigation, Suche


Was ist eigentlich Erlebnispädagogik?

Erlebnisorientierte Lernarrangements stellen die tätige Auseinandersetzung mit einer Aufgabe in den Mittelpunkt, bei der Erfahrungen selbst gemacht werden müssen. Sie zielen dabei auf Situationen mit Ernstcharakter, in denen sich Aufgaben und deren Anforderungsstruktur als natürlicher Sachzwang ergeben, der sich meist nur durch die Zusammenarbeit mehrerer erfolgreich bewältigen lässt. Charakteristisch ist weiterhin, dass die Lernsituationen außergewöhnlich, also nicht alltäglich sind. Dadurch soll die Chance erhöht werden, aus einem Erleben ein nachhaltig wirkendes Element der Kompetenzentwicklung werden zu lassen.

Erlebnispädagogik ist eine handlungsorientierte Methode und will durch exemplarische Lernprozesse, in denen junge Menschen vor physische, psychische und soziale Herausforderungen gestellt werden, diese in ihrer Persönlichkeitsentwicklung fördern und sie dazu befähigen, ihre Lebenswelt verantwortlich zu gestalten.“ (Heckmair/ Michl 2009, S. 102)

Diese in der deutschsprachigen erlebnispädagogischen Community weitgehend akzeptierte Definition moderner Erlebnispädagogik stellt eine erste Verbindung zur beruflichen Bildung her. Spätestens seit der Einführung des Lernfeldkonzeptes treten in der beruflichen Bildung handlungsorientierte Lern- und Unterrichtsmethoden in den Mittelpunkt. Erlebnispädagogische Forschung und Entwicklung kann hier auf eine lange Tradition verweisen: Lernarrangements nutzen Gruppen-Erfahrungen in der Natur (Wald, Gebirge, See ...), um die Persönlichkeit und soziale Kompetenzen zu entwickeln. Grenzen überschreiten, über den Tellerrand blicken, Herausforderungen annehmen und bewältigen, Entscheidungen fällen und dazu stehen, kreative Lösungen finden und viele weitere Kompetenzen sind auch Anforderungen im Berufs- und privaten Leben, sie werden jedoch durch Schulen und Hochschulen kaum gefördert. In der Erlebnispädagogik tauchen folgende Bestandteile immer wieder auf:

 

  • Sie findet in der Regel unter freiem Himmel, jedenfalls außerhalb der regulären Lehranstalten statt.
  • Sie verwendet häufig die Natur als Lernfeld.
  • Sie hat eine hohe physische Handlungskomponente.
  • Sie setzt auf direkte Handlungskonsequenzen der verwendeten Aktivitäten.
  • Sie arbeitet mit Herausforderungen und subjektiven Grenzerfahrungen.
  • Sie benutzt als Medien eine Mixtur von klassischen Natursportarten, speziellen künstlichen Anlagen, sowie eine Palette von Vertrauensübungen und Problemlösungsaufgaben.
  • Die Gruppe ist ein wichtiger Katalysator der Veränderung.
  • Das Erlebte wird reflektiert.


Wenn die meisten dieser Kriterien erfüllt sind, kann man von Erlebnispädagogik sprechen.


Warum kann Kitesurfen als erlebnispädagogisches Medium eingesetzt werden?

Betrachtet man die oben aufgeführten Eigenschaften, die für erlebnispädagogische Maßnahmen wichtig sind, wird deutlich, dass Kitesurfen als Medium sehr gut eingesetzt werden kann, da die Grundvoraussetzungen erfüllt werden. Damit beim Ausüben der Natursporart Kitesurfen jedoch erlebnispädagogische Ziele erreicht und diese in den Alltag transferiert werden können, bedarf es der didaktischen Einbettung der sportlichen Aktivität und einer Reflexionsphase. Beides ist im Kitesport nicht automatisch gegeben. Es werden daher im Folgenden wichtige Kompetenzbereiche genauer betrachtet und abschließend wird erläutert, wie etwa Kite-Exkursionen gestaltet werden müssen, damit sie möglichst gut erlebnispädagogische Ziele unterstützen.

Persönliche Kompetenzen  

Aufgrund der Kombination des Lenkdrachenfliegens und des Surfens kommt es beim Kiten auf die Herausbildung besonderer Konzentrations- und Koordinationsfähigkeit an. Ebenso auf Selbstwahrnehmung, um
Fehler beim Erstellen des Vorschaubildes: Die Miniaturansicht konnte nicht am vorgesehenen Ort gespeichert werden
das eigene Können zu beurteilen und auf dieser Grundlage Entscheidungen zu treffen, sowie eigene Fortschritte einordnen zu können. Die Teilnehmer in Kitekursen werden stets auch an ihre Grenzen stoßen. Diese Grenzen können durch behutsames Herantasten erreicht und überschritten werden. Teilnehmer erfahren so, dass Herausforderungen von ihnen angenommen und bewältigt werden können. Um die eigene und die Sicherheit Anderer gewährleisten zu können, ist ein guter Orientierungssinn notwendig. Neben der Windrichtung und eventuellen Richtungsänderungen müssen immer die Wasseroberfläche und mögliche Hindernisse (z.B. Steinwälle, Sandbänke) sowie andere Personen im Auge behalten werden. Die ständigen Herausforderungen, die Wind, Wasser und Hindernisse hervorrufen, erwecken unterschiedlichste Gefühle bei den Teilnehmern. Neben Respekt, Furcht und deren Überwindung sind in der Erlebnispädagogik die sogenannten „Flow-Erlebnisse“ – die gelingende Balance zwischen Herausforderung und Können (s.u.) - von ebenso großer Bedeutung.


Soziale Kompetenzen

Kiten wird in Gemeinschaft erlernt. Um innerhalb der Gruppe Fortschritte zu machen, wird von Allen Integrationsfähigkeit verlangt bzw. entwickelt. Besonders auf dem Wasser muss Rücksicht auf Andere genommen werden. Sieht man Kitesurfer über das Wasser gleiten, springen und „Tricks“ machen, bekommt man leicht das Gefühl, es handle sich hier um eine Solosportart. Doch: um es bis dorthin zu schaffen, ist Teamwork gefragt. Bereits um den Kite in die Luft und an Land wieder sicher zu Boden zu bekommen, sind anfangs mindestens zwei Personen notwendig. Hilfsbereitschaft ist also unabdingbar. Ohne die allgemein gültigen Handzeichen und Regeln, kann es für alle Teilnehmer schwierig bis gefährlich werden, erfolgreiche Starts und Landungen zu absolvieren. Auf dem Wasser ist die Kommunikation ebenso wichtig, um etwa auf Gefahrenquellen aufmerksam zu machen oder Kollisionen zu vermeiden. Diese Umstände verlangen ein hohes Maß an Kommunikationsfähigkeit und schulen dieses zugleich. Kitesurf-Neulinge lernen so, Verantwortung für die eigene und für die Sicherheit anderer Teilnehmer zu übernehmen.

Kognitiv-fachliche Kompetenzen

Da beim Kitesurfen hohe Kräfte durch die Naturgesetze wirken, muss erlernt werden, welche Gefahren diese mit sich bringen, woraus sie begründet sind und worin sie bestehen. Auch die begründete Routine mit allgemeinen
Fehler beim Erstellen des Vorschaubildes: Die Miniaturansicht konnte nicht am vorgesehenen Ort gespeichert werden
Sicherheitsregeln und Vorfahrtsregeln unter Wassersportlern ist dafür unabdingbar. Da es sich beim Kitesurfen um eine Natursportart handelt, die ein vergleichsweise komplexes Equipment mit sich bringt, gehört eine einschlägige Materialkunde zum Wissensrepertoire.

Um zum sportlichen Ziel zu kommen und um Gefahren zu umgehen, müssen Wind- und Wetterverhältnisse Meteorologie eingeschätzt werden können. Davon hängt u.a. die passende Ausrüstung ab (Kitegröße) und es muss grundsätzlich entschieden werden können, ob die Wetterlage das Kiten überhaupt zulässt.

Je nach Standortumgebung des Kitespots spielen zudem Belange des Naturschutzes eine Rolle. Ausgewiesene Naturschutz- oder Vogelnistgebiete sind zu meiden bzw. entsprechende Regularien zu achten. 




Motorische Kompetzenen

 Nach dem Aufbau des Kite üben die Teilnehmer in Teamarbeit das Starten
Wasserstart.jpg
und Landen des Kites. Der nächste Schritt in Richtung Kitesurfen besteht darin, die Steuerung kennenzulernen um so den Kite möglichst immer unter Kontrolle zu haben. Das nächste Lernziel aller Teilnehmer ist der sog. Bodydrag. Hierbei wird der Teilnehmer entweder in Windrichtung durch und aus dem Wasser gezogen oder seitlich, indem ein Arm in die gewünschte Richtung ausgestreckt und der Kite mit der anderen Hand mittig an der Bar gesteuert wird. 
Backroll-to-Blind.jpg

Die nächste motorische Herausforderung ist der Wasserstart. Man muss lernen, im Wasser sitzend bzw. liegend die Füße in den Fußschlaufen des Boards zu verankern, um anschließend den Kite in die Powerzone zu steuern. Hat der Kite dort genug Kraft, wird der Kitesurfer aus dem Wasser gezogen bis er steht. Mit der richtigen Stellung des Boards und der Kontrolle des Kites sind so die ersten erfolgreichen Meter auf dem Wasser möglich. 

Je nach Talent und Ausdauer dauert es eine gewisse Zeit, bis der Wasserstart richtig beherrscht wird. Ist dieser kein Problem mehr, muss gelernt werden, sich auf dem Wasser fortzubewegen, hierzu wird ein hohes Maß an koordinativen Fähigkeiten benötigt. Zum einen wird eine Kopplungsfähigkeit zwischen Board und Kite gefordert, die Teilnehmer müssen ein Gleichgewichtgefühl auf dem Board besitzen, ein gutes Gefühl für den Kite entwickeln (kinästhetische Differenzierungsfähigkeit). Die Reaktions- und Umstellungsfähigkeit wird zudem, durch die immer neuen Umweltbedingungen, herausgefordert. 

Je nach Intensität und Dauer des Kurses, gibt es natürlich noch weitere Manöver, die ein noch höheres Maß an Koordination verlangen. Vor allem beim Kiten über einen längeren Zeitraum sind konditionelle Fähigkeiten wie Ausdauer und Kraft notwendig, um das Board und den Kite weiterhin richtig steuern zu können. Welche Muskelgruppen benötigt werden und wie diese trainiert werden können, ist in dem Bereich Training nachzulesen.  



 

Das Flow Erlebnis- ein ganz besonderes Gefühl!

Kitesurfen1.jpg

Das „Flow-Erlebnis“ kann als ein besonders positiver Bewusstseinszustand beschrieben werden, dieses Erleben geht einher mit positiven Gefühlen wie Glück und Zufriedenheit sowie die Freude über den Erwerb und die Erweiterung von Fähigkeiten und das Gefühl von Kontrolle. Dieses Erleben ist so erstrebenswert, dass man es immer wieder erfahren möchte. Man kann sagen, dass das „Flow-Erlebnis“ den Inbegriff der intrinsischen Motivation wiederspiegelt.

Dass dieses Erlebnis durch Kite-Surfen hervorgerufen werden kann, wird schon deutlich wenn man betrachtet, was Kitesurfer auf sich nehme:. Lange Anfahrten, Kosten für Übernachtungen oder Anschaffungs- bzw. Leihkosten sind für viele keine Hindernisse. Auch körperliche Anstrengungen und Risiken werden in Kauf genommen, ohne jedoch einen äußeren Vorteil davon zu erwarten.

Diese Punkte lassen darauf schließen, dass Kitesurfen auf Grund intrinsischer Motivation betrieben wird.

Das Flow-Erlebnis zeichnet sich zudem durch unterschiedliche Komponenten aus, die beim Kitesurfen häufig auftreten können:
 

1. Balance zwischen Herausforderung und Können

Um den Flow-Zustand beim Kiten zu erreichen, sollte die Herausforderung an die Fähigkeiten des Sportlers angepasst sein. Wichtig ist hier die richtige Einschätzung der eigenen Fähigkeiten. Der Wind sollte weder über-, noch unterschätzt werden, um den Spaß am Kitesurfen beizubehalten. Mit fortschreitender Dauer und Erfahrung der Teilnehmer ist es beim Kitesurfen stets möglich, neue Herausforderungen durch eine andere Kite- oder Boardgröße, einen anderen Einsatzort (Flachwasser, Kleine, mittlere und große Wellen) oder zusätzliche Manöver und sog. Tricks zu entwickeln.

2. Verschmelzung von Handlung und Bewusstsein

Der Kitesurfer wird gerade zu Beginn dazu gezwungen, seine volle Aufmerksamkeit auf seine Tätigkeit zu legen. Durch die Kombination von Board- und Kiteführung ist volle Konzentration und Koordination gefragt. Dadurch erlebt sich der Agierende als Einheit mit seiner Handlung. Beherrscht der Teilnehmer dies, kann er sich dem Gleiten über das Wasser widmen und es kommt das Gefühl des Verschmelzens mit der Umwelt hinzu.

3. Klare Ziele und Rückmeldung

Unabhängig vom Leistungsstand der Teilnehmer sind die Abläufe bis ins Wasser stets gleich. Das erste Ziel, ist die richtige Auslbringung des Kites, sowie die fehlerfreie Anknüpfung aller Leinen. Ist der Kite gestartet worden, kann das Board genommen und ins Wasser gegangen werden. Nach dem Start unterscheiden sich die Ziele je nach Können - ob das Höhelaufen, Wendemanöver oder Sprünge und Tricks geübt werden. Eine direkte Rückmeldung bekommt man zumeist vom Kite und Board selbst, sei es bei Lenkbewegungen oder Gewichtsverlagerungen.

Positive wie auch negative Rückmeldungen bewirken nicht selten eine Adrenalinausschüttung bei den Teilnehmern.

4. Konzentration auf anstehende Aufgaben 

Beim Kitesurfen ist die Konzentration elementar wichtig. Die Nur begrenzte Berechenbarkeit des Windes, die Kombination mit dem Element Wasser, sowie deren Eigenarten zwingen den Teilnehmer zur ständigen Konzentration. Ob nun den Kite in der Luft, sich selbst auf dem Board zu halten oder andere Kitesurfer in der Nähe nicht aus den Augen zu verlieren, all dies ist ohne entsprechende Aufmerksamkeit nicht möglich.

Stimmt die Konzentration, lassen die ersten erfolgreichen Manöver und Tricks nicht lange auf sich warten – diese Momente sind es dann, in denen jeder Teilnehmer seine Alltagsprobleme vergisst und den Augenblick genießen kann.

5. Kontrolle 

Gewinnt man beim Kiten Sicherheit, vollendet das erste richtige Wendemanöver oder landet nach einem Trick wie gewollt wieder auf dem Wasser, hat der Kitesurfer das Gefühl, die vollständige Kontrolle über Wind, Wasser, Kite, Board und seinen eigenen Körper zu haben. Das subjektive Gefühl kann entstehen, nicht scheitern zu können. Dieses Kontrollgefühl trägt mit zum Gefühl der Sorgenfreiheit im Flow bei.

Das Gefühl der Kontrolle und Sorgenfreiheit herrscht auch in Flow-Situationen vor, wo Gefahren für die Akteure - objektiv betrachtet - durchaus vorhanden sind.

6. Selbstvergessenheit

Ist der Teilnehmer völlig auf das Zusammenspiel von Kite, Board, Wind und Wasser konzentriert, treten alle Gedanken über die eigene Person in den Hintergrund. Im Flow geht jedoch nicht Bewusstheit und Bewusstsein verloren, sondern methodische Selbst-Konstrukte und Reflexionen. Es werden Gedanken unwichtig, die sich Menschen sich über ihr Handeln, ihr Rollenbild und ihr Verhalten machen.

7. Veränderung der Zeit

Das Zeitgefühl des Aktiven wird völlig durcheinander gebracht – die Zeit auf dem Wasser vergeht wie im Flug oder scheint gar nicht zu enden, da durch die hohe Konzentration unwichtige Reize wie die Zeit ausgeblendet werden.


Anhand diese sieben Punkte wird deutlich, dass das „Flow-Erlebnis“ ein ganz entscheidender Bestandteil im Kitesurfen ist. Auch sie zeigen, dass die Natursportart Kitesurfen erlebnispädagogisches Potential mit sich bringt und für entsprechende Maßnahmen interessant ist.

Wie gestaltet man erlebnispädagogische Kite-Exkursionen?

Zunächst ist zu beachten, ob die Kiteschule die besucht wird, ein erlebnispädagogisches Profil aufweist oder nicht. Ist dies der Fall, sollte sich der Gruppenleiter informieren, welche Inhalte und Ziele die Kiteschule verfolgt, damit diese auf die jeweilige Gruppe abgestimmt werden können. Zudem sollte in Erfahrung gebracht werden, welche weiteren Aufgaben auf die Gruppenbetreuung zukommen: ist zum Beispiel eine weitergehende Reflexion mit den Teilnehmern während oder nach der Exkursion erwünscht und welche Verantwortungsbereiche sind zu übernehmen.

Die meisten Kiteschulen beschäftigen sich jedoch ausschließlich mit der Vermittlung des Kitesurfens, sodass der erlebnispädagogische Teil von der Gruppenleitung übernommen werden muss. Dies kann den Nachteil haben, dass bei der Schulung einige erlebnispädagogische Aspekte übergangen werden. Es kann jedoch ebenso vorteilhaft sein, da die Gruppenleitung sich dann nicht auf die Vermittlung der Sportart konzentrieren muss, und so die Prozesse in der Gruppe besser beobachten und begleiten kann.

Vorausetzungen der Gruppenleitung

Erleb.png
Um in diesem Fall eine erlebnispädagogische Exkursion gestalten zu können, müssen Kompetenzen zum einen auf der pädagogischen, der didaktischen als auch auf der spezifischen fachlichen Ebene vorhanden sein. Der Betreuer sollte Erfahrungen im Kitesport mitbringen, um die Erlebnisse der Teilnehmer besser nachvollziehen zu können. Idealerweise erfolgt darüber hinaus eine Einbettung in einen didaktischen und fachlichen Kontext, wie wir ihn in unseren eigenen kite & tech - Projekten anlegen (siehe Praxiserfahrung).

Beobachtung der Prozesse

Bei den Kite-Schulungen ist es zunächst die Aufgabe der Gruppenleitung, die Prozesse zu beobachten. Es gibt viele Beobachtungsmerkmale, die jeweils von der Zielsetzung und vor allen Dingen von der Gruppenzusammensetzung abhängig sind.

Hier einige Anregungen für unterschiedliche Beobachtungsmerkmale.

  • Wie ist die Zusammenarbeit in der Gruppe bzw. bei den Partnern? Treten Konflikte auf?
  • Welche Personen sind dominant oder spielen sich in den Vordergrund?
  • Treten Ängste bei den Teilnehmern auf?
  • Erreichen die Teilnehmer psychische oder physische Grenzen, aufgrund von Ängsten oder zu hoher körperlicher Beanspruchung?
  • Werden möglicherweise Grenzen bzw. unüberwindbar scheinende Herausforderungen angenommen und überwunden?

Wenn die Teilnehmer im Wasser sind, ist es schwierig die Prozesse vom Strand aus mitzubekommen, daher ist es sinnvoll die Kleingruppen oder Pärchen an den Kites im Wasser zu „besuchen“.

Reflexion der Aktivität

Die eigentlich wichtige Aufgabe für die Gruppenleitung ist die Reflexion, im Anschluss an die Aktivität. Bei mehrtägigen Exkursionen ist diese am besten jeden Tag durchzuführen, zum Beispiel vor oder nach dem Abendessen. Zudem ist eine Abschlussreflexion am Ende der Fahrt sinnvoll. Es ist zunächst zu beachten, dass die gewünschten Lernziele nicht zu sehr fokussiert werden sollten, da das Erleben zufällig, subjektiv und nicht planbar ist. Gerade dieses individuelle Erleben kann hier gut genutzt werden.

Im Ersten Teil der Reflexion sollten die Teilnehmer also selbständig über das Erlebte berichten. Dabei sollten möglichst alle Teilnehmer die Möglichkeit haben ihre Erfahrungen zu berichten, jedoch nicht hierzu genötigt werden. Die Freiwilligkeit ist ein großer Bestandteil der Erlebnispädagogik und sollte auch hier beachtet werden.

Im nächsten Schritt, kann auf die oben aufgeführten Beobachtungspunkte eingegangen werden. Die Fragen sollten in gewissen Bereichen sensibel gestellt werden, da es für manche Teilnehmer unangenehm ist, auf gewisse Vorkommnisse wie Ängste angesprochen zu werden. Die Reflexionen können in diesem Bereich sehr unterschiedlich verlaufen, daher ist es notwendig, dass die Gruppenleitung eine gewisse psychologische und pädagogische Kompetenz mitbringt, um auf die unterschiedlichsten Erfahrungen und Gefühle der Teilnehmer reagieren zu können.

Im letzten Teil der Reflexion kann mit den Teilnehmern überlegt werden, was gelernt wurde, und welche Erkenntnisse in die reale Lebenswelt mitgenommen werden können. Bei unseren eigenen kite & tech - Projekten schliest sich dann die Ausarbeitung und Abschluss der Arbeiten im Wiki an.

Weitere Anregungen

Die Teilnehmer können von Beginn an in die Planung der Exkursion miteinbezogen werden. Im besten Fall übernehmen die Teilnehmer die ganze Vorbereitungsphase, sorgen für Transport Unterkunft und Verpflegung, sprechen Eventualitäten ab, verteilen Verantwortlichkeiten etc. Dadurch lernen die Teilnehmer, vorausschauend zu denken und zu handeln, sich verantwortlich für die Gruppe zu machen und selbstverantwortlich zu sein.

Erfolgt die Exkursion im Rahmen eines umfangreicheren Projektes, kann beispielsweise - und unter Zuhilfenahme der Anregungen und Informationen im Wiki - in einer Projektwoche im Technik,- oder Werkstattunterricht ein Board oder Dachen von den Schülern selber gebaut werden. Dadurch werden die Schüler zuvor mit dem Material bekannt gemacht (siehe Drachen- & Boardbau) und sie können sich mental auf die Fahrt einstimmen.

Das Thema Drachenfliegen kann zudem sehr fächerübergreifend thematisiert werden, so kann zum Beispiel im Geschichtsunterricht die Geschichte des Drachenfliegen und im Physikunterricht die Aerodynamik eines Kite behandelt werden, usw. Unter dem Bereich Lernaufgaben finden sich konkrete Aufgaben und Ideen zur Stundengestaltung in der Schule.


Leitfragen für eine erlebnispädagogische Kite-Exkursion finden sich hier.

Quellen

Heckmair, Bernd / Michl, Werner: Erleben und Lernen: Einführung in die Erlebnispädagogik. 6. Überarbeitete Auflage, München: Ernst Reinhardt Verlag, 2009

Michl, Werner: Erlebnispädagogik. München: Ernst Reihhardt Verlag, 2009

Eine Präsentation zum Verhältnis von Erlebnis und Erziehung

Informationen zum Flow-Erleben

Einführungsartikel zur Erlebnispädagogik in Wikipedia

Ideen für die Umsetzung in der Schule

Verein für Erlebnispädagogik und Jugendsozialarbeit: [1]


Seiten in der Kategorie „Erlebnispädagogik“

Diese Kategorie enthält folgende Seite: